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Jun
09

Olio d’oliva „Campo Grande“

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Dem ein oder anderen mag es aufgefallen sein: ich verwende in meinen Rezepten häufig „bestes Campo-Olivenöl“.

Campo-Olivenöl ist ein ganz besonderes Olivenöl, nicht nur, weil es besonders gut schmeckt, besonders gut aussieht, sortenrein und schadstofffrei angebaut ist, auch nicht weil es handgepflückt und kaltgepresst ist – nein, Campo-Olivenöl ist für mich auch ein ganz besonderes Öl, weil ich selbst daran beteiligt war – an der Baumhege, beim Pflücken, in der Mühle und auch daran, dass es Freunde und begeisterte Anhänger hier in Deutschland gefunden hat.

Wie entsteht nun solch ein tolles Öl? Hier ein kleiner Bericht von der Ernte im November letzten Jahres, also von dem Öl, das ich aktuell verwende.

Das schwarze Gold:
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Zuerst werden um jeden einzelnen Baum große Netze ausgelegt, damit die Oliven im Netz und nicht auf dem Boden liegen. Man pflückt vorwiegend so, dass man die Oliven mit den Händen abstreift, sie also zu Boden fallen.
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Das Auslegen der Netze muss recht sorgfältig gemacht werden, damit hinterher keine Lücken in den Netzen sind. Hier war der Schwierigkeitsgrad noch erhöht, da zwischen den Oliven der Wein wächst und die Rankhilfen im Weg waren.

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Im ersten Durchgang geht der Bauer mit einer Pflückmaschine, die langsam rotierende Metallstäbe oben hat um den Baum herum, an die Stellen, die man weder mit Klettern noch mit Leitern erreichen kann. Der Baum oder die Oliven werden dadurch nicht beschädigt, da es sehr langsam läuft. Dadurch ist die Ausbeute aber auch nicht so groß und alles was dran bleibt, ist dann mit der Hand zu pflücken, also der weitaus größere Teil.

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Währenddessen ging ich unten am Baum einmal herum und pflückte alles, was dort geht in Greifhöhe, in meinem Fall also alles von 10cm über’m Boden bis 1,80m Höhe. Da weiß man abends, wovon einem alles wehtut.

Wenn also ganz oben und unten alles gepflückt ist, kommen die Leitern zum Einsatz. Der Bauer von außen mit der Leiter:

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Und ich von innen, ohne Hilfsmittel bis in die Wipfel klettern.
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Da konnte es schon mal wackelig werden.

Nach ca. 5 Stunden ist es geschafft (bei den großen Bäumen manchmal auch länger) die Netze werden zusammengelegt, die Oliven dann an einer Stelle im Netz gesammelt. Dann sieht das so aus:
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Zweige, Äste, Blätter und sonstiges werden aussortiert, bis es so aussieht. Die restlichen Blätter werden in der Mühle abgesaugt.
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Die Oliven werden zum Transport in Kisten geschüttet.
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Gelagert werden die Oliven bis zum Mühlentermin außerhalb der Kiste, weit ausgebreitet. Für einen Mühlentermin benötigt man mindestens 500 Kilo Oliven.

Die Ausbeute eines Tages für uns beide waren im Schnitt 90 -110 Kilo. Daraus bekommt man 12 – 16 Kilo Olivenöl… Und wir waren (oft nur) zu zweit von ca. 8:30 – 17:00 dafür beschäftigt, mit allen Vor- und Nacharbeiten und mit Mittagspause.

An dem Tag, für den man einen Mühlentermin bekommenhat (das kann auch mitten in der Nacht sein, Termine sind rar, weil wirklich JEDER Oliven hat) werden die Oliven wieder in die Kisten gefüllt und ins Auto gestellt. Ins Auto passten rund 600 Kilo Oliven in Kisten. Das war dann schon etwas in die Knie gegangen.
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In der Mühle werden die Oliven gewogen, um den Preis für die Pressung zu errechnen und anschließend den Ertrag zu ermitteln:
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In der Regel bleibt man den gesamten Mühlvorgang dabei, es werden immer nur die Oliven einer Lieferung gepresst, da vermischt sich nichts mit den Oliven anderer Bauern. Überall sitzen Bauern und warten auf ihr Öl, oft stundenlang.


Der Blattstaubsauger

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Die Mühlsteine, aus einem Steinbruch in Österreich. Es wird natürlich kaltgepresst.
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Die Gesamtanlage:
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Die Mühle arbeitet trotz der modernen Gerätschaften sehr tradionell, eben mit Steinen und auch ganz langsam. Dadurch ist das Öl aber auch qualitativ sehr hochwertig, da man mit der falschen Mühle schon viel ruinieren kann. Vor allem wenn sie zu schnell, und damit zu heiß, presst.

Am Schluss die Zentrifuge
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Olivenöl

Kanister, Ernte 2008

Der Campo, ein Selbstversorger-Bauernhof in Umbrien, mit Olivenbäumen, Weinberg, Esel- und Ziegenhaltung, Hunden und Katzen und Hühnern. Ein wundervoller Ort in einem wunderbaren Land, ein Ort der Inspiration.

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Esel

Weinberg im Frühjahr

Campo Grande

Caprette

Feigenbaum im April

Ich freue mich auf die drei Monate, mal was anderes tun, abschalten, eine Auszeit nehmen. Ich werde in den drei Monaten meinen kleinen Beitrag für eine gute Ernte 2009 dazu geben können, für ein wieder so hervorragendes Öl, wie es letztes Jahr eins gab.

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19 Responses to “Olio d’oliva „Campo Grande“”


  1. 12. Juni 2009 um 07:17

    toller Bericht aus erster Hand. Leidet der Geschmack des Öls nicht, wenn es von Ernte bis Mühlentermin lange geht ? Wie ist das denn mit den wurmstichigen Oliven, gehen die einfach mit ?

    • 12. Juni 2009 um 07:28

      Von der ersten Ladung bis Termin sind es 4 – 5 Tage. Wenn die Oliven weit ausgebreitet liegen, ist das okay und unproblematisch. Wir waren meist zu zweit, manchmal drei oder vier, mehr schafft man dann einfach nicht.
      Dieses Jahr ist der Bauer gegen La Mosca mit Pheromonfallen vorgegangen, es gab keine Wurmprobleme. Die Ernte 2007 ist wegen eben diesem Schädling ausgefallen. Wobei es auch Bauern gab, die trotzdem gepresst haben *wurgs*

  2. 12. Juni 2009 um 08:53

    3Monate quasi Urlaub, da kommt in mir der pure neid hoch, schöne Fotos übrigens hat schon was so ein netter Bauernhof dort. Und erst das Wetter da, unvergleichlich gut.

  3. 4 Ulla
    12. Juni 2009 um 10:59

    Hallo liebe Päm,
    auch an dieser Stelle noch einmal meine Anmeldung für das „Gold 2009“.

    Dieser Ort der Inspiration, wie Du es so schön ausgedrückt hast, wirkt nicht nur auf Dich, das weisst Du, es schlägt Wellen, es zieht Kreise in einer Größe, die Ihr Aktiven im letzten November sicher noch nicht geahnt habt :).

  4. 12. Juni 2009 um 12:33

    Ein wundervoller Bericht aus erster Hand der mich mehr als überzeugt hat. Schön das Du uns damit nicht nur teilnehmen läßt sondern auch aufklärst was für Mühe und Arbeit dahinter steckt. Das Öl ist allemal seinen Preis wert wenn nicht mehr, Danke schön !

  5. 12. Juni 2009 um 14:19

    ich finde es immer toll wenn man an einem solch produktiven prozeß von anfang bis ende dabei sein darf und einmal versteht wo das zeug aus dem regal herkommt und wieviel schweiß darin liegt *igitt* 😉
    lg alex

  6. 13. Juni 2009 um 06:52

    Schoene Fotos und der Bericht macht Lust auf mehr! … Geniesse die Auszeit und das Olivenoel.

  7. 14. Juni 2009 um 15:51

    Toller und interessanter Bericht – dankeschön! Wie kommst du eigentlich auf den Hof?

  8. 14. Juni 2009 um 19:42

    Danke für den interessanten Beitrag und die schönen Fotos! Grazie!

  9. 10 Kreiz
    9. Juli 2009 um 18:45

    Hey….

    Ich hätte mal eine Frage Wo kann man solche Netzte Kaufen???
    Wäre nett wenn mir das jemand sagen könnte

    Mfg. Patrick

  10. 10. Juni 2010 um 09:11

    Wie schön, das ist aber ein interessanter und ausführlicher Bericht. Oliven sind sowieso einmalig schöne Gewächse, wenn man bedenkt, wie lange es dauert, bis ein Baum trägt und wie alt er werden kann, wie der der Hitze trotzt und auch noch so schöne Früchte liefert, das ist schon phänomenal.


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