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Feb
10

Glarner Risottosuppe

Das Glarnerland – das kenne ich nur von Tim Krohns Buch „Quatemberkinder„. Ein Buch, voll von Zauber und Sagen, wunderlichen Gestalten und Zwischenwelten, die Glarner Geschichten, Sagen und Mythen als eine Geschichte rund um den Melk, ein Quatemberkind:

Auszug: Der Melchior, genannt der Melk, war ein Quatemberkind. Das wird nur wenigen etwas bedeuten – sagen wir also, er sei ein trauriges Kind gewesen, ein weitsichtiges. Ein Kind das Dinge sieht, die anderen verborgen bleiben.
Der Graaggen Fidel zum Beispiel denkt, wenn er beim Einnachten von der oberen Weide heim auf den Talboden läuft, an eine warme Milch im Kacheli, vielleicht ans Musizieren mit Frau und Kind, manchmal, wenn es in einem Jahr enger wird, rechnet er auch an Milchabrechnung oder Kästeilet. Worüber der aber immer zu studieren hat, er nimmt die stele Flanke im Nu und denkt sich nichts dabei und jodelt stets schon im Hof ein erstes Musikalisches.
Der Melk ist da anders. Der kann, wenn er nachts das Dutzend Schritte vom Stall ins Hüttli tut, nicht sicher sein, dass er vor dem Morgengrauen seine Ruhe findet. Dem streicht eines Abends eine Katze um die Beine und tut ihm schön, und danach findet er plötzlich den Weg nicht mehr und irrt umher mit leerem Kopf bis es ihm endlich einfällt den linken Schuh mit dem rechten zu vertauschen und so den Zauber zu bannen – da ist er aber schon zwischen Fittereggli und Sittli und drei Stunden von Zuhaus.
Der nimmt winters den gleichen Weg wie alle Fabrikkinder, und wie das Grüppli zum Dorfbrunnen kommt, tanzt darin splitternackt der Geist eines Alplers den Alt-Schottisch und maulörgelet dazu, den sieht aber niemand als der Melk. Quatemberkinder leben inmitten der Menschen und doch in einer anderen Welt. Denen sind Geister und Hexli und Schrättli so selbstverständlich wie anderen das Nachtgebet, vieles dafür bleibt ihnen fremd, was jeder sonst im Dorf für gottgegeben hält. Gewissheit um ein Kacheli mit warmer Milch zum Beispiel, oder dass der kürzer Weg auch stets der gschwinder sei, kann es für ein Quatemberkind nicht geben. Das wird nie sein Heimetli haben und Frau und Kind in alle Ewigkeit und den Segen des Herrn Pfarrer. Das lebt zusammen mit Wassernixli und Hornmelkern in Geissengestalt und mit dem Leben erweckten Heubaben, das ist so seine Gesellschaft – von denen lernt es, was es zum Leben braucht, und denen schuldet es am Ende seinen Tod.

Das Buch ist geschrieben in einer sehr ungewöhnlichen Sprache, einer Mischung aus Glarner Dialekt und Hochdeutsch, das auch als Hörbuch ein sehr besonderer Genuss ist. Hier kann man mal probehören. Huereguet.

So lässt sich dann der Bogen gut zum heutigen Rezept spannen, einer Glarner Risottosuppe. Eigentlich ist Robert derjenige, dem dieses Rezept, im weitesten Sinne, zu verdanken ist. Im Dezember letzten Jahres hatte er Glarner Zigerhörnli im Blog, unter Verwendung von Schabziger-Käse. Den kannte ich, hatte ich aber schon lange nicht mehr gekauft. Wollte ich dann umgehend machen. Zog sich allerdings hin, weil es diesen Käse nur in der Düsseldorfer Innenstadt gibt und ich versuchte (erfolgreich), diese in der Vorweihnachtszeit großräumig zu meiden…

Gut einen Monat später dann, bei der Kochschlampe, schon wieder ein Schabziger-Rezept. Weihnachten war auch vorbei, also stand den Schabziger-Kauf nichts mehr im Wege und damit diesem Rezept. Käuflich zu erwerben war dann der Schabziger nur in geriebener Form, der fast komplett für die komplette Suppe verwendet wurde (40g von insgesamt 60g) Der Rest kommt dann mal über Pasta…

Glarner Risottosuppe geht schnell, ist herrlich aromatisch und passt wunderbar ins aktuelle Kochtopf-Event „Weiß wie der Schnee“

Blog-Event-LIII: Weiß wie der Schnee (Einsendeschluss 15. Februar 2010)

20 g getrocknete Steinpilze
1 TL Butter
60 g Risotto-Reis
40 g Schabziger, gerieben
1,2 l Gemüsebouillon
100 ml Sahne, geschlagen
1 EL Petersilie, gehackt
Salz, Pfeffer, Muskat

Die Steinpilze einige Stunden in kaltem Wasser einweichen. Absieben. Dabei 100 ml der Flüssigkeit auffangen und beiseite stellen.

Die eingeweichten Steinpilze grob zerkleinern, unter fliessendem Wasser abspülen und abtropfen lassen.

Die Steinpilze, den Reis und den geriebenen Schabziger in Butter kurz andünsten.

Die Bouillon dazugeben und 20 Minuten köcheln lassen.

Das Steinpilz-Wasser nochmals sieben und dazugeben.

Die geschlagene Sahne mit dem Schneebesen unter die Suppe ziehen.

Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen, auf vorgewärmten Tellern oder in Suppentassen anrichten und mit der Petersilie garnieren.

Gefunden habe ich das Rezept auf der Seite der Schweizer Herstellerfirma von Schabziger.

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17 Responses to “Glarner Risottosuppe”


  1. 8. Februar 2010 um 07:03

    Tim Krohn habe ich immer als deutschen Schriftsteller angesehen. Jetzt weiss auch ich, dass er in Glarus aufgewachsen ist. Ein aromatisches Süppchen hast Du Dir herausgesucht.

  2. 8. Februar 2010 um 07:16

    Du hättest dieses Gericht beim Apfel-Logo einreichen können, das ist ein frz. Event, da geht’s um regionale Küche, aber Du musst leider auf frz. schreiben….

  3. 8. Februar 2010 um 07:46

    Der geriebene Schabziger ist ja super!
    Das gibt es wohl nur in der Schweiz, oder hast du das bei uns irgendwo gefunden??

  4. 8. Februar 2010 um 10:04

    Eine wunderbare Suppe!

    @ noemi: falls Du keinen geriebenen Schabziger findest… ich reibe mein Stöckli sehr erfolgreich auf der Microplane.

  5. 9 Eva
    8. Februar 2010 um 10:35

    Das klingt äußerst aromatisch….nun muss ich nur noch diesen Schabziger irgendwo auftreiben! 😉

  6. 8. Februar 2010 um 11:10

    Schönes Süppchen, bin dann mal weg, auf Käse-Jagd…

  7. 8. Februar 2010 um 11:57

    Ich hätte davon gerne einen großen Topf – lecker! Ich mag Schabziger sehr gerne! Tolles Foto

  8. 14 arthurstochter
    8. Februar 2010 um 12:15

    feines Süppchen, keine Frage!
    Und mich begeistern all Eure weißen Rezepte, vielleicht schaffe ich es ja auch noch, teilzunehmen…

  9. 8. Februar 2010 um 17:22

    Tolles Rezept. Wird vorgemerkt.

  10. 8. Februar 2010 um 21:51

    Die Suppe klingt recht einfach, aber dafür umso feiner.
    Ich trau mich ja gar nicht zu fragen, aber für den Fall, dass ich keinen Schabziger bekomme, welcher Käse wäre denn alternativ verwendbar?

  11. 22. Februar 2010 um 22:11

    Ein schöner Blogpost und ein schönes Rezept. Vielen Dank für deinen Beitrag zum Blog-Event!


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