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Jul
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Krawehl, krawehl! Taubtrüber Ginst am Musenhain.

Ein wunderbares Thema gibt es in diesem Monat bei Zorras Kochtopf: Das 58. Kochevent, betreut von  Evi mit dem Blog Kochen 375 steht unter dem Motto „Kulinarisches aus Film und Literatur“.

Blog-Event LVIII - Kulinarisches aus Literatur und Film (Einsendeschluss 15. Juli 2010)

Zuerst fallen mir da Skalare und Guppies ein, die Otto („…nenn‘ mich nicht dämlich“) in „Ein Fisch namens Wanda“ direkt aus dem Aquarium verspeist… („Die Grünen solltest Du meiden, die sind noch nicht reif“) Vielleicht nicht blogtauglich.

Oder Forrest Gump und die Bubba Gump Shrimps („Shrimps sind Früchte des Meeres. Du kannst sie am Spieß braten, backen, braten, auf den Grill tun, sautieren. Es gibt Shrimpskebap, Shrimps Creole, Shrimps mit Gumbo, in der Pfanne gebraten, fritiert, es gibt Shrimps mit Ananas, es gibt Bohnenshrimps, Kokosnußshrimps, Pfeffershrimps, Shrimpssuppe, Shrimpseintopf, Shrimpssalat, Shrimps mit Kartoffeln, Shrimpsburger, Shrimpssandwich – das wars glaub ich.“). Mal sehen.

Ein Highlight für mich auch immer der Satz in dem großartigen Film „Das Schweigen der Lämmer“ den Hannibal Lecter zu Clarence Starling sagt: „Einer dieser Meinungsforscher wollte mich testen. Ich genoss seine Leber mit ein paar Fava-Bohnen, dazu einen ausgezeichneten Chianti.“ Hmmm, Fave hätte ich da, aber Meinungsforscher sind grad aus.

Und viel mehr schöne Sachen gibt’s: „So, und jetzt gehe ich in die Küche und pinkel auf den Fisch.“ -Michael Douglas in „Der Rosenkrieg“ – und dann tut er es tatsächlich. Okay, ich gebe zu, es handelt sich hierbei NICHT um ein Rezept.

Und wer kennt sie nicht, die LACHSSCHAUMSPEISE *zeigmitknochigenfingerdrauf*, die verantwortlich ist für den Tod einer gesamten Abendgesellschaft in „Der Sinn des Lebens“ von den Monty Pythons.

Thematisch viel um’s Essen dreht es sich auch bei Loriot, jeder kennt den Sketch um den Kosakenzipfel. Ich könnte mich darin verlieren, einen nach dem anderen Sketch zu sehen –  Birne Helene, Jägerspieß, „…wenn meine Frau Klöße macht, sind sie leicht und bekömmlich“ oder der berühmte Nudelsketch.

Und dann „Pappa ante Portas“, ein Spielfilm von Loriot aus dem Jahre 1991, der Herrn Lohse in den Ruhestand begleitet. In einer Szene besuchen Herr Lohse und seine Frau Renate eine Dichterlesung von Lothar Frohwein. Allein schon bei der Erinnerung daran, wie sich Lothar Frohwein erstmal auf dem Stuhl einrichtet, mit seiner knarzenden Lederjacke, erfüllt mich mit Freude. Der Dichter leidet dann unter Schluckauf, kann in seiner Lesung nicht fortfahren und es entspinnt sich folgender Dialog:

Herr Lohse: „Entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche.“
Frau Lohse: „Heinrich!“
Herr Lohse: „Was haben Sie gestern abend gegessen?“
Lothar Frohwein: „Kohlrabi, gedünsteter Kohlrabi mit Fischstäbchen und Remouladensoße.“

Hier nochmal der ganze Ausschnitt:

Lothar Frohwein hat sicher fertige Fischstäbchen gegessen, bei uns gibt’s die selbst gemachten.

Seelachsfilet, in Blöcken gefroren
3 Eier
2 EL Mehl
100 g Semmelbrösel (oder Polenta)
2 große Kohlrabi
Gemüsebouillon
1 EL Butter
Salz
Muskatnuß, frisch gerieben
Salz, Pfeffer
1 TL Senf
250 ml Milch oder Sahne
2 kleine, eingelegte Gurken
Kräuter nach Geschmack

Den Seelachs auftauen lassen und in fischstäbchenartige Stücke schneiden.

Für die Panade einen Teller mit Mehl, einen Teller mit einem verquirlten Ei und einen Teller mit Semmelbröseln bereitstellen. Entgegen meinem Glauben fand sich in unserem Schrank dann nur noch Semmelbrösel für zwei Fischstäbchen, ich habe dann Polenta verwendet, was wider Erwarten sehr gut war. Die Panade wurde knuspriger und sah auch noch hübscher aus.

Die Stäbchen mit etwas Küchenpapier abtrocknen, dann zuerst im Mehl wenden, dann im Ei und zum Schluss in den Semmelbröseln bzw. in der Polenta.

Im vorgeheizten Backofen bei 200° ungefähr 30 min garen (auf Backpapier), zwischendurch 2 – 3 mal wenden. Alternativ kann man sie natürlich auch in der Pfanne braten.

Die Kohlrabi schälen und in Stifte schneiden. In etwas Gemüsebouillon bissfest garen.

Für die Bechamelsauce einen EL Butter in einem Topf schmelzen, das Mehl einrühren und langsam mit Milch aufgießen. Mit Pfeffer, Salz und Muskat abschmecken. Erwärmen, bis die Sauce eindickt. Die Kohlrabi dazugeben und nochmals kurz erhitzen. Gehackte Petersilie darüberstreuen.

Für die Remouladensoße die Eier hart kochen. Die Eigelbe dann mit einer Gabel zerdrücken und mit Salz, Pfeffer und Senf gut verrühren. Unter Rühren die saure Sahne zufügen und etwas Milch. Die fein gewürfelten Essiggurken und Kräuter nach Belieben (Petersilie, Dill, , hinzufügen und gut mischen.

Fertig. Sehr begeistert waren wir von der Remouladensauce, die hatte ich noch nie selbst gemacht und war sehr fein im Geschmack. Passte gut zu den Fischstäbchen.

Aus Büchern gäb’s auch noch viel zu berichten, aber heute ist Einsendeschluss für’s Event und meine Zeit in den letzten vier Wochen war ganz von der Fußball-WM ausgeschöpft.

Melusine

Krawehl, krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain,
trübtauber Hain am Musenginst.
Krawehl, krawehl.

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9 Responses to “Krawehl, krawehl! Taubtrüber Ginst am Musenhain.”


  1. 15. Juli 2010 um 06:27

    Schade, dass es kein Kochbuch von Loriot gibt.

  2. 15. Juli 2010 um 07:54

    „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!“

    „Was machst du denn hier ?“ – „Ich wohne hier!“ – „Aber doch nicht jetzt,um diese Zeit!“

    Ich liebe diesen Film :)! Auf die Idee gedünsteten Kohlrabi mit Fischstäbchen und Remoulade nachzukochen hat er mich allerdings nicht gebracht. Bei Dir schaut das aber sehr lecker aus.

  3. 15. Juli 2010 um 08:22

    Hach ja, die WM – ist schon gut, dass man sich jetzt wieder mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigen kann. Nämlich Kochen, Fotografieren, Bloggen und Loriot. Ob ich in 20 Jahren immer noch darüber lache? Jetzt gerade jedenfalls wieder einmal ganz doll.

    Die Polenta-Panade muss ich dringend mal ausprobieren, super Idee!

  4. 15. Juli 2010 um 16:14

    Na gott Sei dank ist es nicht der Fisch aus dem Rosenkrieg geworden 🙂 Das Rezept für die Remuladensauce find ich gut, die hab ich auch noch nie selber gemacht! VG Andrea

  5. 15. Juli 2010 um 17:04

    Ganz großartige Wahl! Hut ab!

    Ps.: Wir dachten kurz über ein hauchdünnes Minzoblatchen nach, dass sicherlich gut zu deiner Lachsschaumspeise gepaßt hätte…

  6. 15. Juli 2010 um 22:38

    Ich nochmal: ich bin froh, dass es nicht die Pâté aus dem Rosenkrieg war. Wuff!

  7. 15. Juli 2010 um 23:46

    Grandiose Beschreibungen. Ich bin aber auch froh dass Du nicht den Fisch aus dem Rosenkrieg genommen hast. Oder das leergefischte Aquarium

    Und Loriot hat so unglaublich viele Gags übers Essen gemacht…

    „Wir haben französische Woche.“ – „Was ist wohl eine Poitrine de Beau Voyage?“ – „Das ist eine Supreme Chevreuil à la Soubri Gratinat.“ – „Und eine Mousse Rabelais à la Lèzanne?“ – „Das ist eine Queue d’Ecrievissage en Sauce Poupoule Courousse.“ – „Pu… was?“ – „Poupoule Courousse.“ – „Was ist denn das?“ – „…Moment. (Ober fragt selbst nach) – Das ist eine Timbalette Volaille aux Fins Herbes avec Pomerolles Dauphinoisettes du Crème à la Louis Quatorze.“ – „Naja, dann nehmen wir das doch einfach.“ (aus Ödipussi)

    Ich hatte ja überlegt, für das Blogevent ein Rezept für Putenbrust mit Püree zu posten. Das macht Mutti immer für Paul:

    Mama: „Sei ein lieber Junge und iß noch ein bißchen. Du willst mich doch nicht traurig machen. Und halte dich gerade!“
    Winkelmann: „Ja, Mama.“
    Mama: „Du kannst auch heute abend hier essen, es ist noch genug da! Schmeckt dir die Putenbrust?“
    Winkelmann: „Wundervoll, Mama. Ganz wundervoll.“
    Mama: „Und wenn du hier schlafen möchtest, dein Kinderzimmer ist immer für dich bereit. Ich mach‘ dir das Püree noch mal warm.“
    Winkelmann: „Ich komme zu spät!“
    Mama: „Erst wird gegessen! Paul?“
    Winkelmann: „Ja, Mama.“
    Mama: „Warum hast du dir bloß diese Wohnung genommen? Andere Jungs wohnen doch auch zu Hause.“

    …andere Jungs sind meist auch noch keine 56 Jahre alt, aber irgendwo muss der Name des Films ja herkommen. 🙂

  8. 16. Juli 2010 um 01:15

    Jetzt moechte ich gerne den ganzen Film sehen. Ich kenne ihn nicht. Aber der Teller laesst mich nostalgisch werden.

  9. 9 Evi
    16. Juli 2010 um 15:53

    Den mag ich. 😀 Wenn ich vor dem Mitesser erschrecke (typisches Szenario: laute Essenszubereitungsgeräusche lassen mich sein Eintreten nicht bemerken) ernte ich meistens ein lapidares „Ich wohne hier!“

    Die Nudel ist natürlich auch ein Klassiker. So ein ganzes Loriot-Kochbuch wär’s mal. Freiwillige vor! 😉

    Vielen Dank für deinen Beitrag und das wie immer äußerst appetitanregende Foto. Die nächsten Fischstäbchen sind in Planung!


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